Was ist Requirement Engineering?
Requirement Engineering bezeichnet den strukturierten Umgang mit Anforderungen an ein Produkt, eine Software, einen Prozess oder ein System. Es sorgt dafür, dass Erwartungen, Ziele, Funktionen, Einschränkungen und Qualitätsansprüche früh erkannt, klar beschrieben und überprüfbar festgehalten werden.
Die vier Kernfragen
Was?
Welche Funktionen, Prozesse, Daten, Schnittstellen und Qualitätsmerkmale werden benötigt?
Wofür?
Welches Problem soll gelöst werden und welchen Nutzen erwartet die Organisation?
Wer?
Welche Stakeholder sind betroffen: Benutzer, Fachabteilungen, IT, Management oder Kunden?
Wie?
Wie werden Anforderungen erhoben, priorisiert, dokumentiert, geprüft und umgesetzt?
Der typische Ablauf
Warum ist das wichtig?
- Vermeidet Missverständnisse zwischen Fachbereich und IT
- Reduziert Fehlentwicklungen und spätere Korrekturkosten
- Schafft eine gemeinsame Sprache im Projekt
- Erhöht die Qualität von Software, Prozessen und Systemen
- Ermöglicht bessere Priorisierung und realistische Planung
Typische Ergebnisse
- Stakeholderliste
- Zieldefinition und Systemkontext
- Funktionale Anforderungen
- Nichtfunktionale Anforderungen
- Use Cases oder User Stories
- Akzeptanzkriterien
- Priorisierte Anforderungsliste
Beispiel einer guten Anforderung
Schlecht formuliert
Das System soll einfach zu bedienen sein.
Besser formuliert
Neue Benutzer sollen nach maximal 15 Minuten Einführung selbstständig eine Kundenadresse erfassen, speichern und wiederfinden können. Die Bedienung gilt als erfolgreich, wenn mindestens 8 von 10 Testpersonen die Aufgabe ohne Unterstützung abschliessen.
Merksatz
Requirement Engineering verhindert nicht jede Änderung, aber es sorgt dafür, dass alle Beteiligten früh verstehen, was wirklich gebraucht wird, warum es wichtig ist und woran später gemessen wird, ob die Lösung erfolgreich ist.